• Viola

Bonjour Tunisie.

Aktualisiert: 8. Okt 2019

Über blaue Türen, Straßenkätzchen und andere Mentalitäten.


15/09/2019

Um 2:00 Uhr reißt mich mein Wecker aus dem Tiefschlaf. Es ist mitten in der Nacht, trotzdem bin ich relativ schnell einigermaßen wach und stehe auf. Innerhalb von einer halben Stunde bin ich fertig und habe meine restlichen Sachen im Koffer verstaut, den ich nun möglichst leise durch das Treppenhaus nach draußen zum Auto trage. Zusammen mit meiner Freundin befinde ich mich wenige Minuten später auf der Autobahn in Richtung Hamburg. Es ist stockdunkel, die Straßen sind leer, und die Temperatur mild. Gegen kurz nach 4 kommen wir am Flughafen an. In den Terminals tummeln sich die Menschenmassen und ich bin mal wieder erstaunt, wie viele Reisende es außerhalb der Saison so früh morgens zum Flughafen treibt. Nach der Gepäckaufgabe am Lufthansa-Schalter geht es durch den Security-Check weiter zum Gate. Wir haben Glück, denn der Flieger nach Frankfurt startet direkt an einem der ersten Gates, so bleibt noch Zeit für einen Kaffee und ein Sandwich. Gegen kurz nach 6:00 starten wir und landen nur knapp 45 Minuten später in Frankfurt. Von hier geht es wenig später weiter nach Tunis, wo wir um halb 11 (Ortszeit, eine Stunde früher als DE) landen.


Beim Hinaustreten aus dem kleinen Flughafen begrüßt uns Tunesien mit knapp 33 Grad und blauem Himmel. Ich sauge das Vitamin D auf und freue mich auf eine Woche Sommer bevor dann in Deutschland der Herbst vor der Tür steht. Zum Mittagessen geht es mit dem Auto vom Fughafen direkt zu meiner Tante nach Tunis in die Hauptstadt. Der tunesische Verkehr ist abenteuerlich und ich verabschiede mich sehr schnell von dem Gedanken, mich hier selbst hinter das Steuer zu setzen. Ähnlich wie in Thailand wird gefahren wo Platz ist, europäische Verkehrsregeln kann man getrost hinter sich lassen. Beim Anblick von Menschen, die zwischendrin die Autobahn überqueren halte ich kurz die Luft an. Autos sind Gebrauchsgegenstände, das wird schnell klar. Angekommen im Haus werden wir mit Brik (frittierte Teigtaschen mit Ei und Fleisch oder Fisch), Couscous und Fisch verwöhnt. Mir fallen die vielen Straßen-Katzen auf, die sich an jeder Ecke und auch in den Häusern tummeln. Sie alle wirken recht jung und zierlich, allerdings nicht abgemagert und auch das Fell ist in erstaunlich gutem Zustand.


Nach dem Essen geht es nach Sidi Bou Said, einem Künstlerdorf nordöstlich von Tunis. Schon der Blick auf die Stadt erinnert an Santorini, die Häuser sind weiß und haben verzierte blaue Türen und Fenster. Das Dörfchen ist absolut malerisch und ich verliebe mich sofort. An den Straßen stehen übergroße Aloe Vera Pflanzen und Kakteen und der Weg nach oben führt vorbei an kleinen Souvenirläden und Cafés. Auf halber Strecke halten wir an einem Fenster und kaufen Bambalouni, tunesische süße Donuts. Ein bisschen erinnern mich die frittierten Ringe an spanische Churros, mächtig aber super lecker! Unser Ziel ist das "Café des Delices", von dem man einen wahnsinnig tollen Blick auf die Küste hat. Es ist super heiß, deshalb gibt es sofort Wasser und tunesische Zitronenlimonade. Ich kann euch hier zum Essen nichts sagen, da wir nur etwas getrunken haben. Auf der Seite des Cafés bei tripadvisor.de sind die Bewertungen nicht berauschend, ich kann hier nur sagen, dass mir da nichts Negatives hinsichtlich Service etc. aufgefallen ist. Dazu muss ich aber bemerken, dass Touristen evtl. anders behandelt werden. Da mein Vater Einheimischer ist, waren das in vielen Situationen bei uns schon andere Voraussetzungen betreffend Kommunikation und Sympathie. Auf der Fahrt zurück nach Tunis fällt mein Blick auf den Müll an Straßen und auf allen Grünflächen. Ich habe noch nie ein so vermülltes Land gesehen. Das Bewusstsein für die Entsorgung von Plastik und Co., geschweige denn für ein Begrenzen des Verbrauchs fehlt hier komplett. Auch öffentliche Mülleimer suchen wir oft vergeblich. Der Gedanke, dass wir in Europa anfangen Strohhalme zu verbieten etc., hier aber der Müll als aller Erstes im Meer landet, lässt mein Herz bluten. Natürlich ist es schwierig, eben dieses Bewusstsein in einem Land zu verankern, das politisch und wirtschaftlich vor allem momentan nicht auf Hochtouren läuft und in dem die Menschen weitaus größere Probleme haben. Trotzdem, einen enttäuschenden und beunruhigenden Anblick stellen die Straßen Tunesiens in diesem Falle definitiv dar.


16/09/2019

In den nächsten Tag starten wir ausgeschlafen und verbringen den Vormittag am Pool im Hotel in Hammamet. Schon beim Frühstück wird klar, trotz touristischer Gegend gibt es quasi keine Europäer im Hotel. Der Großteil der Gäste besteht aus arabischen Männern, die wenigen Frauen sind meist streng muslimisch. Es kostet uns gute zwei Stunden Überwindung auf unseren Sonnenliegen bevor wir uns raus aus den Klamotten und in das Wasser trauen. Es dauert eine ganze Weile bis man sich an die ständigen und doch oft sehr penetranten Blicke der Männer gewöhnt. Ich bin sehr froh, meine Freundin neben mir zu haben, zu zweit ist das halb so wild. Trotzdem haben wir Spaß und schaffen es, uns ein wenig zu entspannen und Sonne zu tanken. Gegen Nachmittag trudeln zwei Freunde aus Paris im Hotel ein, die die nächsten Tage mit uns verbringen werden. Zusammen geht es nach Hammamet zum Essen. Im "Le Petit Pecheur" gibt es Brik, Shakshouka und Pasta frutti di mare. Schon vor dem bestellten Essen, bekommt man ungefragt Suppe, Salat und Brot, eine nette Geste der Küche, aber in den nächsten Tagen werden wir feststellen, dass es doch alles ein kleines bisschen zu viel ist. Das Essen ist super lecker und frisch. Zum "Dessert" gibt es Minztee und Shisha in einem Lokal direkt am Wasser. Langsam geht die Sonne unter und das Licht über dem Meer ist unbeschreiblich schön. Wenig später gehen die Laternen in der Stadt an, die Bars füllen sich und unser Weg zum Auto führt uns vorbei an Ständen mit Souvenirs, Gewürzen und bunten Gewändern. Besonders hier kommt ganz klar Urlaubsflair auf. Gegen 22 Uhr trudeln wir schließlich wieder im Hotel ein. So viele neue Eindrücke und die ungewohnten Temperaturen lassen uns direkt ins Bett fallen.


By the way, wir waren im "Marina Palace Hotel" in Hammamet untergebracht. Das Hotel hat sicherlich seine besten Zeiten hinter sich und viele Dinge (zum Beispiel das Frühstück) sind definitiv ausbaufähig. Der Service war allerdings gut und wir konnten uns nicht beklagen, vor allem betreffend des Preis-Leistungs-Verhältnis. Da wir sowieso den ganzen Tag eigentlich unterwegs waren und ansonsten nur den Poolbereich genutzt haben, hat das klar ausgereicht. Wer aber auf ein bisschen Wellness und Atmosphäre im Hotel wert legt, dem würde ich das Marina Palace nicht empfehlen.


Fortsetzung folgt...


"Café des Delices" in Sidi Bou Said: https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g316117-d3707722-Reviews-Cafe_des_Delices-Sidi_Bou_Said_Tunis_Governorate.html*

"Le Petit Pecheur" in Hammamet: https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g297943-d7063421-Reviews-Le_petit_pecheur_2-Hammamet_Nabeul_Governorate.html*

"Marina Palace Hotel" in Hammamet: https://www.tripadvisor.com/Hotel_Review-g297943-d615789-Reviews-Marina_Palace-Hammamet_Nabeul_Governorate.html*


*unbezahlte Werbung

Ich bekomme keine Provision oder Ähnliches, es handelt sich lediglich um mein persönlichen Referenzen.

31 Ansichten

© 2020 I Alle Rechte vorbehalten - Viola@blueplanet