die Sache mit dem Weltschmerz.

"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann." (Weisheit der Cree)

Beim letzten Beitrag haben wahrscheinlich viele von euch schon gestutzt, "Die macht ja garnicht nur Reise-Beiträge.". Ganz genau! Tatsächlich bedeutet das "blue planet" im Namen sehr viel mehr als weiße Sandstrände, faszinierende Metropolen und wundervolle Reiseziele. Er bedeutet für mich auch, die vielleicht nicht ganz so glänzenden Dinge dieses Planeten zu belichten. Dazu zählt neben der Nachhaltigkeitsfrage auch das Thema Umweltschutz und in diesem Zusammenhang: Weltschmerz. Prinzipiell erstmal ein schweres und großes Wort. Aber was ist das eigentlich? Um im Nachhinein weiter

darauf einzugehen, habe ich mir also erstmal eine allgemeine Definition rausgesucht und bin dabei im klassischen Duden auf diese hier gestoßen:


"die seelische Grundstimmung prägender Schmerz, Traurigkeit, Leiden an der Welt und ihrer Unzulänglichkeit im Hinblick auf eigene Wünsche, Erwartungen"


Wie das ja mit den meisten Definitionen so ist, pflücken wir das zum besseren Verständnis mal ein bisschen auseinander. Unzulänglichkeit kann man mit der Eigenschaft erklären, einer bestimmten Anforderung nicht zu genügen. Wir reden hier also von einer negativen Emotionslage aufgrund der nicht befriedigten Erwartungen und Wünsche an unsere Welt bzw. unseren Planeten. Aber warum quäle ich euch jetzt mit dieser trockenen Definition? Warum überhaupt dieses Thema?


Ich werde hier jetzt sicher nicht mit einer Aufzählung an Dingen loslegen, die auf diesem Planten, in unserer globalen Wirtschaft und in unserem Handeln und Leben schief laufen. Prinzipiell sind wir glaube ich in unserer heutigen Zeit sehr gut informiert und uns vieler Dinge schon sehr bewusst. Daran möchte ich zumindest glauben.

Aber genau das ist der Punkt. Es gibt zu viele Momente, zu viele Aussagen und zu viel Handeln, bei dem mir vor lauter Entsetzen der Mund offen steht. Dinge, die mir im Herzen weh tun und die ich nicht einfach abschütteln und ignorieren kann. Das hier soll am Ende auch nicht auf eine Moral-Predigt hinauslaufen, ich nehme mich aus den meisten Dingen selber nicht raus, genau darum geht es.


Das Ganze ist ein ewiger emotionaler Zwiespalt. Ich habe ein ganz wahnsinnig privilegierten Lebensstil. Ich lebe in einem fortschrittlichen Land, in einer Demokratie, habe bei weitem genug finanzielle Mittel zum Leben, eine Familie, einen freien Zugang zur Bildung und die Welt steht mir mehr oder weniger offen. Das alles sind Dinge, für dich ich jeden Tag dankbar sein sollte und bin. Trotzdem gibt es Situationen, in denen mich auch ein Gefühl von Schuld beschleicht, ein Gefühl der absoluten Ungerechtigkeit, dass ich in all das hineingeboren wurde, aber es so so viele Menschen auf der Welt nicht sind, die unter Hunger, Unterdrückung oder in Kriegen leben. Was berechtigt mich, das Alles zu haben, einen anderen Menschen aber nicht? Liegt es dann nicht in meiner Verantwortung, mit meinen Mitteln und Möglichkeiten so verantwortungsvoll umzugehen wie nur möglich?

Auf der anderen Seite, bedeutet das ja nicht, dass ich jetzt auf all das verzichten muss, was ich habe, denn wem hilft das? Trotzdem finde ich, sollte man sich dieses absolute Privileg immer vor Augen führen, denn wenn wir mal alle ehrlich sind, hat sich das keiner von uns (ich spreche da die Gesellschaft, in der ich lebe und aufgewachsen bin an) selbst erarbeitet, nichts davon. Wir waren einfach drin in dieser Welt, aufgrund unserer Eltern, deren Eltern und deren Eltern. Das ist pures Glück! Was aber in unserer Verantwortung liegt, ist was wir daraus machen. Es liegt an uns, ob wir uns auf diesem Lebensstil ausruhen oder versuchen mit unseren Möglichkeiten jeder für sich diese Welt ein bisschen besser zu machen, auch und vor allem für all die, denen es nicht so gut geht wie uns. Aber auch aus der Verantwortung für die, die nach uns kommen. Denn nach dem aktuellen Stand hinterlassen wir unseren Kindern eine große Bombe, deren Zündschnur kürzer und kürzer wird.



Manchmal frage ich mich, was auf diesem Planeten noch alles passieren muss, damit die Menschheit aufwacht? Wenn uns kontinentale Waldbrände, giftige Luft und eine weltweite Pandemie nicht die Augen öffnen, was wird es dann? Beziehungsweise wird es irgendwas?


Der Weltschmerz geht meistens mit einem Gefühl der Machtlosigkeit einher. Was bringt es, dass ich mit meinem wiederverwendbaren Kaffeebecher und meinen Gemüsebeuteln rumrenne, an einer anderen Stelle der Welt aber ganze Plastikmassen im Ozean landen? Man gerät dann schnell in eine Art Pessimismus und genau das ist das Problem. Aber es ist Schwachsinn! Niemand von uns kann von heute auf morgen die Welt retten, den Klimawandel aufhalten oder in die Politik gehen. Aber deshalb sollten wir uns nicht unseren Optimismus nehmen lassen.

Denn ohne den und ohne den Willen und die Hoffnung, dass am Ende alles besser werden kann, laufen wir Gefahr, dem Weltschmerz mehr und mehr Raum in unserem Leben zu geben.


Um das Ganze abzuschließen vielleicht noch eine take-home-message:

Weltschmerz erinnert uns daran, dass wir mit dem, was gegenwärtig ist nicht zufrieden sind, dass wir eine andere Erwartung an diese Welt haben. Und dass wir es selbst in der Hand haben, was wir daran ändern oder nicht. Jeder so viel wie er kann.




viola@blueplanet auf Instagram:

© 2020 I Alle Rechte vorbehalten - viola@blueplanet