ein neues Jahr. und ein altes.

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, die letzten Plätzchen verspeist und der Baum lässt langsam die Nadeln hängen. Und dann auf einmal die Erkenntnis: Das Jahr ist vorbei und das neue da. Jeden Dezember poste ich auf meinem privaten Instagram-Profil einen persönlichen Jahresrückblick, der die schönsten Erinnerungen, Reisen und Momente noch einmal aufzeigt. Vor ein paar Tagen habe ich mir eben jenen Rückblick vom Jahr 2019 angeschaut. Schlagartig wird einem bewusst, was man noch vor einem Jahr für selbstverständlich genommen hat und dass man ja gar keine Ahnung hatte, was da alles auf uns zu kommen würde.


2019 war für mich voll mit tollen Reisen, Ausflügen und Momenten mit Freunden und Familie, mit grossen Feiern und Ausgelassenheit. Das aktuelle Jahr hat mir und uns einen Dämpfer gegeben, uns gezwungen einen ganzen Gang runterzuschalten. Und wenn ich das Ganze rückblickend betrachte, war das vielleicht für Viele, aber ganz sicher für mich, gar nicht mal so schlecht. So toll mein Jahr 2019 auch war, mit all den Erlebnissen und schönen Augenblicken, so voll war es auch. Besonders am Ende des Sommers war ich nur noch unterwegs, habe immer wieder Neues erlebt, war kaum zuhause. Freizeitstress nennt man das. Ein großes Wort für etwas, das einem eigentlich keinen Stress, sondern Freude und Ausgleich bereiten sollte. Trotzdem bin ich überzeugt, dass einige von euch das Gefühl kennen, dass die Wochen nur so vollgeplant sind und man irgendwann feststellt, dass für einen selbst nur noch wenig Zeit bleibt. Mir selbst wird sowas oft erst sehr viel später bewusst. Für mich persönlich war 2020 ein "reset". Trotz der Kompromisse, trotz Einschränkungen und Veränderungen, habe ich nicht nur gelernt, mehr mit mir selbst und meinen Gedanken zu sein, sondern habe auch die Chance bekommen, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Bin noch dankbarer für meine Gesundheit und meine Möglichkeiten geworden. Im Alltag halten wir eben jene Dinge oft für selbstverständlich. Und vergessen dabei: Wer wir sind, wo wir leben und welche Möglichkeiten wir haben ist ein Privileg!



Und besonders auf 2020 schaue ich mit tiefer Dankbarkeit vor allem in Bezug auf mein Heimatland. Die Regierung und die Bundeskanzlerin haben einen Job gemacht, der nicht nur nervenaufreibend, sondern auch von unglaublich viel Kritik und Misstrauen geprägt war. Eine solche Situation konnte niemand weder konkret vorhersehen, noch planen. Dass man es da weder Jedem rechtmachen, noch nur richtige Entscheidungen treffen konnte und kann, ist glaube ich menschlich und normal. Die Menschen vergessen dabei oft, nach links und rechts zu schauen. Ich bin froh und dankbar, in einem Staat leben zu können, der mir im Vergleich zu anderen Ländern Sicherheit bietet, finanziell und gesundheitlich.


Es gab Tage im letzten Jahr, da bin ich in all den negativen Nachrichten und Schlagzeilen versunken, habe geweint und war so wütend auf Alles und Jeden. Auf Staatsoberhäupter, Konzerne und auf die Menschheit, meine eigene Spezies. Ein bisschen auch auf mich selbst. War immer wieder hin- und hergerissen zwischen dem Gedanken, nicht die Augen verschließen zu wollen, aber sich auch nicht zu sehr von Allem runterziehen zu lassen. Als emotionaler und sensibler Mensch ist das manchmal garnicht so einfach, da einen Mittelweg zu finden. Nach diverse Gesprächen wurde aber auch mir immer mehr klar, dass es nichts bringt, all die Wut auf die Welt in sich zu tragen und sich nur auf die negativen Dinge zu konzentrieren. Eine Freundin hat vor einer Weile zu mir gesagt: ,,Du musst bedenken, dass aus all diesen Dingen neue Chancen und Möglichkeiten wachsen. Dass ein Umdenken stattfindet und positive Veränderung hervorgerufen werden kann. Dass genau das vielleicht nötig ist und war. Und dass auch viel Gutes passiert, es nur nicht so präsent ist wie der Rest.". Ein Gespräch, das mich in meinen Gedanken und Ängsten tief berührt hat.


Und sie hat Recht. Die Pandemie hat die Menschen kreativ gemacht. Neue Formen und Ideen der Kommunikation, der Kontaktaufnahme und der Nächstenliebe und Solidarität sind nur einige Beispiele. Berufsgruppen, die sonst zu wenig Anerkennung bekommen haben, sind in den Vordergrund gerückt, Menschen auf die Straße gegangen, gegen Ungerechtigkeit, Rassismus, den Klimawandel.


Auf eine Art und Weise ist die Welt zusammengerückt. Eine Pandemie macht keinen Unterschied zwischen Nation, Hautfarbe, finanzieller Ungleichheit oder dem Alter. Nie war deutlicher, dass wir alle verbunden und gleich sind. Auch die Gewissheit, dass unser Verhalten, unser Konsum und unsere Lebensweise der letzten Jahrzehnte Teil des Problems sind, ist eine klare Lektion für den ganzen Planeten.

Ein Jahr voller Veränderung, aber auch voll mit neuen Erkenntnissen und Chancen liegt hinter uns. Und Hoffnung. Auf das was kommt und auf eine bessere Zukunft. Und darauf, dass wir die Dinge, die wir über uns und die Welt gelernt haben, mitnehmen. In eine Zeit danach, die irgendwie aber auch wieder eine Zeit davor und vielleicht auch mittendrin ist.


Mit diesen Worten verabschiede ich mich vom Jahr 2020 und wünsche euch Glück und Gesundheit für das neue Jahr, Gelassenheit, alles so zu nehmen, wie es kommt und immer ein Stückchen Schokolade im Kühlschrank (für die Tage, wo das nicht so einfach ist.). Bleibt gesund!


Love, Viola